Auschwitzreise

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Schwule in Auschwitz
Dokumentation einer Reise

Inhalt

Vorwort

"Wiedergutmachung": Wie es zu dieser Reise kam,
Hans- Ludwig Frese


Auschwitz-I (Stammlager): Leben im "Block", Jens Michelsen


Zerrissen: Deutsch oder schwul?, 
Lutz van Dijk / Christoph Kranich


Arbeit Macht Frei, Christoph Kranich


"Rosa-Winkel"-Häftlinge in Auschwitz: Versuch einer Rekonstruktion,  
Jörg Hutter


Homosexualität in offizieller Auschwitz-Literatur, 
Lutz van Dijk/ Christoph Kranich


Auschwitz II Birkenau Massenvernichtung unter industriellen Bedingungen, 
Christoph Kranich


>Anus Mundi, Jens Michelsen


Ein Freund bedeutete alles, 
Lutz van Dijk


Gedenken: nicht nur der schwulen Opfer, R.L.


Unsere Auschwitz-Reise, 
Karl B.


Die Tage in Kraków - die Tage danach, 
Jens Michelsen


Literatur: Kleine Auswahl


Bestellformular


Fotos von der Reise


Themenverwandte Links

 

Broschüre "Schwule in Auschwitz"

[Die iranischen Opfer des religiösen Faschismus von heute]

[The Persian Victims of the Religious Fascism of Today]

Gay Teens hanged in Iran 2005

(Hinweis: Hier ist nur der erste Artikel wiedergegeben. Restexemplare der Broschüre können für 2,50 EURO zuzüglich Porto noch erworben werden. Hierzu benutzt bitte das unten vorgefertigte) [Bestellformular]

Copyright © Christoph Kranich und Hans-Ludwig Frese. Alle Rechte vorbehalten. Der hier veröffentlichte Artikel ist urheberrechtlich geschützt und darf nur zu privaten Zwecken heruntergeladen oder ausgedruckt werden. Für andere Absichten - insbesondere das Einstellen auf Webseiten - ist das Einverständnis des Verfassers einzuholen.

Vorwort

Diese Broschüre handelt nicht nur, wie der Titel vermuten lassen könnte, von den homosexuellen opfern der Nazi-Diktatur. Sie berichtet auch von der Reise einer Schwulengruppe, die sich im Sommer 1989 mit den Zusammenhängen zwischen deutscher Geschichte und Gegenwart konfrontieren wollte. Anlass war Karl B., ein ehemaliger Häftling, der die "Stätte seiner Jugendjahre" noch einmal wieder sehen wollte. Neunzehn weitere schwule Männer begleiteten ihn. Die Politgruppe im Bremer Rat+Tat-Zentrum für Homosexuelle ist entstanden, um der allerorts zu beobachtenden Zunahme politisch motivierter Gewalt gegen Schwule bewusster begegnen zu können. Wir wollen wissen, auf welchem historischen Hintergrund solche Gewalt heute gedeihen kann - die Reise nach Auschwitz war ein Versuch, diese Ursachen aufzuspüren. Uns wurde dabei klar, dass noch viel zu tun ist... Die homosexuellen Überlebenden der Nazi-Diktatur sind bis heute nicht entschädigt worden - und die allerersten Erfolge im Kampf um eine späte "Wiedergutmachung" fallen fast lächerlich aus: Was sind zum Beispiel 5000 DM als einmalige Entschädigungszahlung, die Karl nach zähem Ringen zugesprochen wurden, für sechs KZ-Jahre? Zeigt eine solche Abspeisung nicht die fortbestehende Geringschätzung aller Formen von Leben und Lieben, die das Übliche verlassen? Mit dieser Broschüre wollen wir dazu beitragen, dass die in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer größer gewordenen Freiräume für eigene, vom Üblichen oft abweichende Lebensformen nicht nur als willkommenes Geschenk genossen werden. Wir müssen diese Freiheiten erhalten und ausbauen helfen, um Rückschlägen wissend und mutig begegnen zu können. Auschwitz symbolisiert das Schlimmste - aber auch Bruchteile des Furchtbaren können den Einzelnen erdrücken. Wir hoffen, dass andere durch unsere Broschüre angeregt werden, sich ebenfalls mit der schrecklichen Wirklichkeit zu konfrontieren, die nie mehr wiederkehren darf.

"Wiedergutmachung": Wie es zu dieser Reise kam,
Hans-Ludwig Frese

Eines Tages in' Herbst des Jahres 1988 rief Karl B., ein 77-jähriger Mann aus Bremerhaven, im Rat+Tat-Zentrum an. Er hatte von der Bremer Sonderregelung zur Wiedergutmachung für bisher unentschädigte Nazi-Opfer gehört und hoffte nun endlich, nach jahrzehntelang vergeblichen Versuchen, mit Hilfe oder wenigstens Vermittlung des Schwulenzentrums erfolgreich eine Entschädigung für sechsjährige Haft in nationalsozialistischen Konzentrationslagern zu erstreiten.

"Klassischer Fall für die Politgruppe", dachten wir, und luden Karl zu einem Gespräch nach Bremen ein. Wir trafen einen alten Mann, der uns zunächst als eine Art schwule Behörde' sah und verunsichert reagierte, dann aber beim Kaffee Dinge erzählte, die uns Ohrensausen machten: wer ihn denunziert hatte und auf welcher Bremer Wache das voreingenommen geführte Verhör stattfand; und wie er nach kurzer Haft ohne Gerichtsurteil ins KZ kam. Er illustrierte seine Geschichte mit Dokumenten: abgegriffene, schwerlesbare, vergilbte Papiere, die von Transporten, Überstellungen, Strafandrohungen sprachen. Orte wie Neuengamme, Auschwitz und Mauthausen wurden erwähnt.

Karl berichtete von Freunden und Geliebten aus jener Zeit, von seiner erfolgreichen Tarnung mit einem roten Winkel. Der ermöglichte einen relativen Spielraum und ließ ihn wohl auch überleben. Sechs lange Jahre, für Karl auch mit guten Erinnerungen verknüpft: Fassungslos hörten wir, dass er in Auschwitz eine große Liebe erlebte, wie er sie im Nachkrieg / Nachfaschismus nicht wieder hat erleben können. Überhaupt - die Zeit danach: Keiner der zahlreichen Anträge auf Entschädigung hatte Erfolg. Im Gegenteil, Karl musste erleben, dass die Denunzianten schnell wieder obenauf waren. Rosa Listen wurden offensichtlich übergangslos, wahrscheinlich sogar von denselben Leuten weitergeführt. Karl wurde tatsächlich in den 50er-Jahren zur Kripo zitiert und ermahnt.

Und in all den Jahren hatte den Wunsch, Auschwitz noch einmal zu sehen. Reisen mit den bekannten Opferorganisationen ließen sich nie realisieren, und jetzt fühlte er sich zu alt für eine Reise auf eigene Faust. Da waren wir sofort Feuer und Flamme. Die Defizite in der Bewältigung dieser Vergangenheit durch Schwule waren allzu offenkundig. Die Möglichkeit, mit Karl diese Zeitreise zu unternehmen, schien uns auf beängstigende Weise brisant - und lohnend.

Tatsächlich war breiteres Interesse an einer solchen Fahrt bald festgestellt, wenn auch der endgültige Teilnehmerkreis bis kurz vor der Abreise immer wieder in Frage gestellt war. Schnell fanden wir in der Berliner "Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste", einem links-christlichen Verband (diese Verkürzung mögen die Mitarbeiter mir verzeihen), einen verlässlichen Partner, ohne dessen Hilfe unser Plan ganz früh kläglich gescheitert wäre. Außerdem beugt das Sühnezeichen-Programm einem bloßen Gedenkstätten-Tourismus vor, indem sowohl Arbeiten zum Erhalt der Gedenkstätten als auch inhaltliche Auseinandersetzungen mit ihrer Geschichte näheren und Gegenwart zur Vorbedingung gemacht werden.

Weitaus schwieriger war die Finanzierung der Reise. Öffentliche Mittel sind von Neulingen wie uns schwer einzuwerben. Staatliche Stellen und parteibezogene Stiftungen haben in der Regel eine festumrissene Klientel, in die nur durch Beziehungen oder absolute Interessensgleichheiten einzudringen ist. So blitzten wir überall ab und erhielten die obskursten Absagen.

Immerhin: die Hamburger Grün-Alternative Liste und die Bremer Grünen bezuschussten unsere Reise, außerdem der Bremer Sozialsenator. Dazu kamen Spenden von der Bremer Sparkasse, zwei Bremer Kirchengemeinden und mehreren privaten Unterstützern.

Schließlich waren wir in der Lage, ein gutes Drittel der veranschlagten Kosten durch Spenden und Zuschüsse zu finanzieren. Darüber hat es im Nachhinein im Bremer Schwulenzentrum und seiner näheren Umgebung längere Diskussionen gegeben: ob die Einforderung öffentlicher Gelder (moralisch) rechtens gewesen sei. Ich meine, schwule Annäherung an Geschichte muss - auch - ein öffentliches Anliegen sein und deshalb unbedingt mit öffentlichen Mitteln zur politischen Bildung gefördert werden.

Die Vorbereitung und Organisation einer solchen Reise brachte uns ganz schnell an die Grenze ehrenamtlicher Arbeit. Ein kleiner Kreis aus dem Umfeld der Politgruppe im Rat+Tat-Zentrum arbeitet seit eineinhalb Jahren daran - Vor- und Nachbereitung, eine Ausstellung sowie die Erstellung dieser Broschüre eingeschlossen.

An dieser Stelle soll noch erwähnt werden, dass Karls Bemühen um eine Entschädigung innerhalb der Bremer Regelung erfolgreich war. Die Vergabe der pauschal bewilligten Mittel wurde unter Anhörung und Mitbestimmung eines Gremiums, dem Vertreter der so genannten Verfolgtengruppen angehören, entschieden, und es war uns nach langen Auseinandersetzungen - auch mit anderen teilnehmenden Gruppen - gelungen, einen Mitarbeiter des Schwulenzentrums als stimmberechtigtes Mitglied zu entsenden. Karls Antrag wurde nicht zuletzt deshalb positiv beschieden. Zwar ist die materielle Entschädigung peinlich gering ausgefallen, doch überwiegt für Karl das staatlich erstmals bekundete Unrechtsbewusstsein gegenüber der Verfolgung Schwuler während des Hitler-Faschismus und in den Jahren der Restauration.

Da hat er Recht!

Hans-Ludwig Frese

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Abfahrt in Bremen

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Stammlager Auschwitz

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Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau

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Gedenken an die Opfer

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Die Tage danach: in Kraków

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